Tiere sind eine wundervolle Schöpfung Gottes, und doch wird besonders die katholische Kirche häufig für mangelnden Einsatz für den Schutz der Tiere kritisiert. Doch woran liegt das, und ist das tatsächlich der Fall? Oder beruht dieses Denken – geschuldet den Umständen von vor über 2000 Jahren – lediglich auf einem Missverständnis?
Der Mensch als Hüter der Schöpfung
Diese Frage kann nur mit einem klaren Ja beantwortet werden. Ja, es ist ein Missverständnis, denn Tiere spielen in der Heiligen Schrift eine größere Rolle, als es von einigen behauptet wird. Tiere begegnen uns schon von den ersten Seiten der Bibel in der Schöpfungsgeschichte bis hin zu den Evangelien. Tiere sind Teil des großen Heilsplans Gottes. Sie handeln nicht nur rein zufällig im Hintergrund, um die „Geschichte“ auszuschmücken – sie sind Lebewesen mit einer Würde, die es zu schützen gilt, und die als Mitgeschöpfe betrachtet werden müssen.
Ein großes Missverständnis, das die katholische Kirche im Bereich Tierliebe in ein schlechtes Licht rückt, findet sich zu Beginn der Schöpfungsgeschichte. Dort spricht Gott vom Menschen als Verwalter der Schöpfung: „Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.“ (Gen 1,26f)
Doch ist das Wort „walten“ nicht mit tyrannischem Beherrschen oder dem Besitz von Tieren und Natur gleichzusetzen. Viel zu oft wurde genau dieses Herrschen hineininterpretiert. Dabei verfolgt der biblische Gedanke des „Waltens“ ein fürsorgliches und verantwortungsbewusstes Leiten. Gott betraut uns mit der Aufgabe, seine Schöpfung – den Garten, die Tiere – zu schützen, zu pflegen und gerecht zu behandeln.
Tierliebe in der Bibel
Ein weiterer Punkt, der häufig missverstanden wird, ist die Verwendung von Tieren als Nutztiere: der Ochse, der das Feld umpflügt, der Fisch, der die Menschen ernährt. Und doch wird auch hier in der Bibel die Tierliebe deutlich. Immer wieder finden wir in den biblischen Schriften liebevolle Hinweise darauf, wie Tiere zu behandeln sind. Hartherzigkeit widerspricht der Haltung eines Gerechten: „Der Gerechte weiß, was sein Vieh braucht, doch das Herz der Frevler ist hart.“ (Spr 12,10) Zugleich mahnt die Bibel zu Rücksicht und Mitgefühl: „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden.“ (Dtn 25,4)
Natürlich wurde der Ochse genutzt, um das Feld zu bearbeiten, der Esel vor den Karren gespannt, um Waren zu transportieren, und Fleisch gegessen, um satt zu werden. Doch ist das heute nicht auch noch so? Logisch bedient der Bauer heute Maschinen, um die Ernte einzuholen und Landwirtschaft zu betreiben, aber das war vor 2000 Jahren schlicht nicht möglich. Heutzutage nutzen einige Menschen Tiere einfach zum Vergnügen. Denken wir an Kutschfahrten, bei denen Pferde bei praller Sonne Menschen als Attraktion an Sehenswürdigkeiten vorbeiführen, oder an Stierkämpfe, bei denen sich Zuschauer erfreuen. Fische werden in einem „Sport“ aus den Gewässern. Früher wurde das Nutztier wirklich zur Unterstützung und nicht zum Spaß genutzt.
Gottes Bund mit den Tieren
Tiere erfahren, wie erwähnt, eine große Bedeutung in der Bibel, auch wenn manche hebräischen Tierbezeichnungen heute häufig unklar sind. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass die biblischen Autoren keine Biologen oder Zoologen waren. So wird der sagenhafte „große Fisch“, in den der Prophet Jona geriet, in späteren Traditionen oft als Wal interpretiert. Auch verschwimmen durch die philosophische Denk- und Schreibweise in der Bibel die Grenzen zwischen realen Tieren und symbolischen Gestalten wie Drachen oder Seeungeheuern. So bekommen Tieren manchmal menschliche Eigenschaften zugeschrieben – etwa der Schlange im Garten Eden (Gen 3,1) oder der sprechenden Eselin des Bileam (Num 22,28). Doch all dies verweist nicht auf Unwissen, sondern auf eine poetische, theologisch orientierte Sichtweise. Die Autoren der einzelnen biblischen Schriften wollen kein zoologisches Fachbuch präsentieren, sondern den Menschen zur Ehrfurcht vor Gottes Schöpfung führen und zum verantwortungsbewussten Umgang mit Tieren aufrufen.
Eine bekannte Erzählung aus der Bibel ist die Arche Noah – das große Boot, auf das Noah alle Tiere führt, um der Sintflut zu entkommen. Hier wird ein Satz nur allzu gerne fehlinterpretiert. Gott schloss seinen Bund nicht nur mit den Menschen, sondern ausdrücklich auch mit den Tieren. Gott sprach: „Siehe, ich richte meinen Bund auf mit euch und mit euren Nachkommen nach euch, mit allen Lebewesen bei euch, mit den Vögeln, dem Vieh und allen Wildtieren der Erde bei euch … mit allen Wildtieren der Erde überhaupt.“ (Gen 9,9f) Diese Stelle zeigt besonders: Tiere sind nicht nur Teil der Schöpfung – sie sind ein Teil des Bundes. Gott kennt und liebt seine Geschöpfe, sowohl den Menschen als auch die Tiere.
Die katholische Kirche hat diesem Gedanken Rechnung getragen: Sie verehrt den heiligen Franz von Assisi als Schutzpatron der Tiere und der Umwelt. Franz von Assisi setzte sich für das Wohl aller Geschöpfe ein und betonte die Verantwortung des Menschen für die Tiere. Wie also soll der katholischen Kirche die Tierwelt gleichgültig sein, wenn sie die Würde der Tiere so stark anerkennt, dass diese im Kanon der römisch-katholischen Bibel einen Platz finden?
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